
Entschleunigen und den Moment erleben - Wandern und Schaukeln zur bekannten Streichenkirche und historischen Berggasthof
Einen völlig neuen Wanderweg über einen Kilometer „dem Boden stampfen“ und dem Berg in mühsamer Handarbeit abringen? Ihn für Touristen und Einheimische gleichermaßen so zu gestalten und aufwendig herzurichten, dass die ganze Familie Lust hat, sich auf einen rund 45-minütigen Weg über Almwiesen und Wälder zu machen? Und mit zwei markanten Skulpturen der besonderen Art zu bereichern?
Komplex und alles andere als trivial: einen völlig neuen Wandersteig bauen
Nach rund zwei Jahren der intensiven Planung, Erstellung von zahlreichen Gutachten zu Flora und Fauna/Artenschutz, laufenden Abstimmungen mit der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Traunstein und der Forstbehörde sowie des beauftragten Planungsbüros konnten wir Ende 2025 den ersten „Hutschn Steig“ Bayerns eröffnen. Der neue Wanderweg wurde ohne jeden Einsatz von Maschinen erstellt und führt von einem ebenfalls neu angelegten Wanderparkplatz an der Bundesstraße B307 nahe der Grenze zu Tirol zur Streichenkirche auf 814 Metern Höhe und unserem angrenzenden historischen Berggasthof Streichen.
Hand in Hand: Landwirtschaft und Erholung im Einklang
Begonnen hat das „Abenteuer Wandersteig“ im Jahr 2023 mit der Vision, den Bau der einzigen direkten Wanderverbindung von der Bundesstraße B 307 zwischen Schleching und Kössen bis zur Streichenkirche und dem Berggasthof Streichen zu realisieren. Zuvor war es unserer Stiftung gelungen, ein fast fünf Hektar umfassendes Areal aus Wald und Wiese von einem in Schleching beheimateten Landwirt zu erwerben. Die rund einen Kilometer lange Wegstrecke, die auf die Bedürfnisse von Familien konzipiert ist, wurde urkundlich erstmals im Jahre 1576 erwähnt, als der Schlechinger Bauer Hans Vasching die Bergwiese an Adam Schwaiger (Schwoagerbauer in Wagrain) verkaufte. Seine Nachfahren bewirtschafteten die Bergwiese bis in die heutige Zeit – dort sind ganzjährig grasenden Hochlandrinder anzutreffen.
Bayern und Tirol: Spuren der Geschichte
Weitgehend unbekannt ist die historische Bedeutung dieser Region, die aufgrund ihrer unmittelbaren Lage an der deutsch-österreichischen Grenze über 300 Jahre immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Bayern und Tirol geführt hatte. Spuren einfacher Blockhäuser mit Palisaden aus der Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges (1704), von denen aus bayerische Soldaten und Gebirgsschützen die Grenze gesichert haben, sind dort heute noch zu finden.
Von Schaukeln und Hutschn
Namensgeber des neuen Steigs sind zwei weithin sichtbare, vier Meter hohe Schaukeln - altbairisch auch „Hutschn“ genannt. Besucher des neuen Wanderweges erschließt sich in luftiger Höhe schaukelnd eine völlig neue Perspektive auf das Tal der Tiroler Ache mit dem Dorf Schleching, den beiden Hausbergen Geigelstein (1.808 m) mit dem gleichnamigen Naturschutzgebiet und dem Breitenstein ( 1.661 m) sowie weiter angrenzenden Bergen der Chiemgauer Alpen. Der „Hutschn Steig“ - eine weitere touristische Attraktion im Achental, das als eine der abwechslungsreichsten Urlaubsregionen Bayerns Naturliebhaber, Bergfexe, Outdoor-Abenteurer und Familien mit seinem Slogan „Eins mit der Natur“ gleichermaßen anspricht.
Nachhaltiger Tourismus in Zeiten des Klimawandels
Warum unser Engagement in Sachen Wandersteig? Die Wilde Familienstiftung hat sich auf die Fahnen geschrieben, Spuren für die kommenden Generationen zu hinterlassen und Weichen zu stellen. „Wir möchten einen nachhaltigen Beitrag leisten, damit unsere Region auch weiterhin einen festen Platz auf der touristischen Landkarte für sich beanspruchen kann“, so Stiftungsvorstand Thomas C. Wilde. „Der spürbare Klimawandel mit zunehmend schneearmen Wintermonaten erfordert ein Umdenken und stellt unser Tal vor die Herausforderung, weitere touristische Angebote wie den Ausbau von Wandererlebnissen neu zu denken, zu entwickeln, voranzutreiben und auch ganzjährig anzubieten. Mit dem neuen Wandersteig zum Streichen sprechen wir nicht zuletzt auch unsere einheimischen Mitbürger an, die sich über den neuen Weg zur Streichenkirche und die Wiedereröffnung des Berggasthofes freuen.
Unsere Hutschn – viel mehr als „nur“ Schaukeln
Die Installation der „Hutschn“ symbolisiert die Werte unserer Stiftung: Begegnung, Balance und das Innehalten im Moment – als erlebbare Verbindung von Natur, Kultur und Gemeinschaft.“ Yvonne Molek, Vorständin der Wilde Familienstiftung: „Auch der neue Wanderweg ist ein generationsüberschreitendes Vorhaben, das die touristische Attraktivität unserer Region weiter steigert und über das sich zweifellos noch viele naturverbundene Menschen nach uns freuen werden.“
Made in Bayern – Stolz auf unsere Handwerkskunst
Neben den beiden „Hutschn“ säumen an verschiedenen Stellen mehrere besonders breite und extra für den „Hutschn Steig“ gefertigte Bänke den neuen Steig. Auch die „Hutschn“ und Bänke stehen für Handwerkskunst – made in Bayern. Die Schaukeln stammen aus dem Berchtesgadener Land und wurden vom „Hutschn Projekt“ für den Wandersteig in Schleching konstruiert und montiert. Die Bänke wurden gefertigt in der Werkstatt der Metallbauer Wagner mit Sitz in Vaterstetten, die sich mit ihrer Arbeit und der eindrucksvollen Stele „Tafelrunde der Streichenritter“ um das gesamte Projekt verdient gemacht haben. Dank an Euch!